Wir Kinder der Kriegskinder: Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs


 
Hatte mehr erwartet
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Auch ich, geboren 1968, bin ein Kind von Kriegskindern. Zum Teil weiß ich, zum Teil erahne ich einige der - vor allem emotionalen - Verletzungen, die meine beiden Eltern (geboren 1943 u. 1944) als Kriegskinder in sich tragen. Über vieles haben meine Geschwister und ich im Laufe der Jahre mit unseren Eltern diskutiert - bis heute. Auch darüber, wie sich ihre (Nach-)Kriegskindheit auf ihre Persönlichkeitsentwicklung und damit wiederum unmittelbar auf uns als ihre Kinder ausgewirkt hat. Insgesamt herrschte und herrscht bei diesem Thema in unserer Familie viel Offenheit, was mich sehr freut, weil es allen Beteiligten gut tut.
Dennoch hatte ich mir von dem Buch weitere Anstöße und Klarheit erhofft, bin aber leider enttäuscht worden. Nicht, dass es uninteressant oder schlecht geschrieben wäre; was stört, ist vielmehr die Einseitigkeit der dargestellten Kriegskinder- und Kriegsenkel-Biografien. Die Autorin dokumentiert und kommentiert ausschließlich die emotionalen Befindlichkeiten von Kriegsenkeln aus Flüchtlings-/Vertreibungsfamilien. Was aber ist mit all den anderen? Auch Kriegskinder, deren Eltern ihre Heimat nicht verloren haben, litten (und leiden z. T. bis heute) trotzdem unter zahlreichen Umständen, für die der Krieg mitverantwortlich war: Unter völlig abwesenden oder - falls aus dem Krieg zurückgekehrt - in aller Regel traumatisierten und unnahbaren Vätern, unter überstarken, weil auf sich gestellten "Mann"-Müttern oder aber überfordert-depressiven Müttern, unter Armut und Hunger sowie mangelnder Unterstützung hinsichtlich ihrer späteren Berufswünsche usw. Diese Mehrheit und ihre Geschichte(n) wird überhaupt nicht erwähnt - und genau das ist der Schwachpunkt des Buches. Hier hätte ich mir einfach mehr Vielfalt gewünscht. Oder aber einen klareren Hinweis auf den Flüchtlingshintergrund im Titel oder zumindest im Untertitel des Buches (aber hier war wahrscheinlich der Autorin und/oder dem Verlag aus Verkaufsgründen die Nebelkerzen-Variante lieber!?) Persönliches Fazit: Hinsichtlich meiner offenen Fragen war das Buch aus genannten Gründen die falsche Wahl. Kriegsenkel mit einem elterlichen/großelterlichen Vertriebenenhintergrund hingegen werden in diesem Buch ohne Zweifel überaus interessante und hilfreiche Einblicke erhalten.
Eine Rezension von SDMüller >
vom 26. Juni 2010
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