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Viel Wissen arrogant dargestellt
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Leider kann ich mich der Begeisterung nur begrenzt anschließen. Das Buch vermittelt ohne Frage eine immense Fülle an Wissen und Erfahrungen der Autorin über Russland, die sehr hilfreich sein werden, das Verhalten der Leute in dem Land zu verstehen, richtig einzuordnen und Fettnäpfchen vielleicht umgehen zu können.
Leider ist das Buch aber auch in einem unglaublich arroganten Ton gehalten, sowohl der beschriebenen Nation gegenüber als auch der Nation, der es beschrieben wird. Ich habe zeitgleich auch den "Kulturschock Kaukasus" gelesen und fand darin eine Darstellung ganz anderer Art. Während die Kaukasus-Autoren einen Stil finden, der Eigenarten, Unerwartetes und Besonderheiten der Region beschreiben, ohne sie sofort zu bewerten, und einen erklärenden, herzenswarmen Brückenschlag in den Kaukasus schaffen, wird man über Russland von oben herab belehrt. Es fängt bereits damit an, dass Transkriptionen für kyrillisch geschriebene Bezeichnungen, an die man landläufig gewöhnt ist und die jeder kennt, nicht verwendet werden, sondern wohl die sprachwissenschaftlichen. Das ist für den Laien, der sich informieren will, unnötig und bereits eine Demonstration des überlegenen Wissens.
Weiter hat man nie den Eindruck, dass ein herzliches Verhältnis zu diesem Land und seinen Leuten besteht, sondern eher das beobachtende eines Forschers seinen Labormäusen gegenüber. Jegliches verhalten wird sofort in die sozialistische Vergangenheit einsortiert und daraus erklärt. "Der Russe" erscheint streckenweise als völlige Marionette seiner geschichtlichen Herkunft. Andererseits wird auch die Tatsache, dass sich in Moskau - wie in allen Metropolen weltweit - eine Jugendkultur mit Anglizismen gebildet hat, abwertend erwähnt. Vieles wird von vornherein eher als richtig oder falsch dargestellt denn als einfach erstmal nur "anders". Irgendwie bleibt Russland in dem Buch ein bisschen hinter einem eisernen Vorhang, der es daran hindert, wirklich als gleichwertig neben uns Westeuropäern akzeptiert zu werden. Der Beigeschmack bleibt: Das Überlieferte ist sozialistisch-sowjetisch, neu Übernommenes ebenfalls nicht wirklich gut und vor allem nicht wirklich autentisch.
Es hat den Anschein, als könnte diese Nation es der Autorin nicht recht machen und hätte noch sehr viel zu lernen, bevor das Verhalten akzeptabel ist. Ich finde das schade, denn ich hatte mir von dem Buch einen menschlicheren Brückenschlag erhofft. Die Informationen enthält es ohne Zweifel, der Ton gefällt mir nicht. Ich würde mir mehr Komkurrenz für dieses Buch wünschen, von Autoren, die das Land ebenfalls gut kennen, aber nicht so erzieherisch auftreten.
Eine Rezension von G. Wegner >
vom 25. Mai 2006 | | |
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