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| Afrikanische Totenklage: Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents
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Ein Buch, das seinem Titel alle Ehre macht!
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Afrikanische Totenklage - Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents (Gebundene Ausgabe) Peter Scholl-Latour hat mit "Afrikanische Totenklage" ein farbenreiches Bild weiter Teile Afrikas gezeichnet - ein Bild, in welchem die Farbe rot dominant ist. Überall auf dem afrikanischen Kontinent beschreibt Scholl-Latour Destabilität, Bürgerkrieg und Rassenauseinandersetzungen. Wie ein roter Faden durchzieht der Tod durch Krieg oder durch AIDS den Bericht über die Reisen des Autors durch Staaten wie den Kongo, Uganda, Angola, Namibia und Südafrika in einem ersten regionalen Großraum und der Region um Liberia herum. Leider wird der Norden des Kontinents ausgespart und auch das bevölkerungs- und rohstoffreiche Nigeria nur am Rande erwähnt. Durch den immer wieder eingestreuten Rückblick auf Reisen des Autors in den 50er, 60er und 70er Jahren gelingt es Scholl-Latour, den zeitgeschichtlichen Hintergrund für die aktuellen Ereignisse in excellenter Weisenachzuzeichnen.
Das Buch lebt von der Fähigkeit des Autors durch Gespräche mit Repräsentanten des Staates oder der in nahezu jedem Land üblichen Rebellengruppen, aber auch mit der einfachen Bevölkerung ein lebendiges Bild zu zeichnen, das zwar an vielen Stellen subjektiv, aber deswegen nicht weniger anregend ist. Scholl-Latours Klage gegen die amerikanische Politik, welche sich verstärkt auf den Profit konzentriert, den der Diamantenhandel und die Ölvorkommen versprechen, erinnert einen vor dem Hintergrund der Anschläge vom 11. September daran, daß die amerikanische Außenpolitik schon immer interessengeleitet war und dabei den Kampf für Menschenrechte und Demokratie schon mal geringere Priorität genießen. Es wird deutlich, daß hier ein Politikwechsel von Nöten ist, um Stabilität auf diesen Kontinent zu erreichen, die erforderlich ist, um das Leiden dieses Kontinents zu beenden, der Kontinent, welcher letztlich noch immer die Geburtsstätte des modernen Menschen ist.
Aber Scholl-Latour beschreibt auch eindringlich, daß man das Chaos des Kontinents nicht nur auf die Fehler der nicht-afrikanischen Staaten beschränken kann. In nahezu allen Staaten Afrikas herrschen Machtkämpfe zwischen den unterschidlichen Stämmen. Hier geht es um eine ethnische Vorherrschaft, in der lediglich die Abstammung, nicht die politische Gesinnung ausschlaggebend ist für die Zugehörigkeit zu einem Lager. Auch die afrikanischen Naturreligionen werden zur Begründung der Zustände herangezogen. So ist bspw. der Glaube weit verbreitet, der Sex mit einer Jungfrau schütze vor AIDS. Dies führt nicht nur zu einer enormen Vergewaltigung von jungen Mädchen, sondern auch zur massiven Weiterverbreitung von AIDS.
Zu kritisieren ist jedoch die insgesamt etwas einseitige Sichtweise des Autors. Seine Beschreibung zeichnet ein absolut düsteres Bid, Hoffnungsschimmer kommen nicht auf. Wenn eine Situation noch nicht zum Bürgerkreig eskaliert ist, erscheint es so, als ob der Autor einen solchen Ausbruch prophezeien wollte. Hoffnungsvolle Projekte der Entwicklungsarbeit werden nicht genannt, die Vereinten Nationen erscheinen in einem sehr düsteren Ton. So wird das Buch dem Titel gerecht: Es ist eine Totenklage, der Autor hat den Patienten bereits aufgegeben. Als junger Mensch will und kann man sich diesem fatalen Urteil nicht anschließen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 15. Dezember 2001 | | |
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