Literatur gegen den Wahsinn
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Goethe in Dachau. Ein Tagebuch (Gebundene Ausgabe) Nico Rosts Buch über seine Zeit als Häftling im Konzentrationslager Dachau ist ein bemerkenswerter Versuch eines intellektuellen, engagierten Zeitgenossen gegen die Grausamkeit der mörderischen und lebensbedrohenden Umstände im KZ Dachau "anzudenken" und damit zu überleben. Im Buch enthalten sind die Tagebuchaufzeichnungen vom Sommer 1944 bis zur Befreiung 1945, einige offene Briefe an und von Nico Rost über dieses Buch (welches bereits wenige Jahre nach der Befreiung publiziert wurde), ein Abdruck seiner Publikation "Ich war wieder in Dachau", in dem Rost seinen Besuch in den 50ern der Stadt beschreibt und einige Fotos des Lagers (meisst von der Befreiung) und aus dem Privatleben Rosts.
Das Buch wendet sich an einen schwer zu definierenden Leserkreis. Ohne eine gewisse Grundkenntniss des KZ-Lagersystems und der Stadt Dachau, wird man sich zwar nicht gerade schwertun, aber es erschließt sich nicht die volle Tragweite des Unterfangens. Rost, dessen Tagebuch unvermittelt zu Beginn einsetzt, wurde bereits in den Niederlanden (aus denen er ja stammt) von den Nazis als potentielle Gefahr identifiziert, zumal er auch ein aktiver Meinungsvertreter der kommunistischen Idee/Partei war. Als er im Sommer '44 nach Dachau kommt, versucht er sich durch beständige Reflexion über Themen zur deutschen Literatur seiner Aussenwelt zu "entziehen". Nach einem guten Drittel des Buches erklärt er dem Leser warum er dieses Tagebuch (im übrigen im geheimen und nur mit großem Risiko geführt) führt: Um mit den Geist/Humanität die er in der Literatur findet, gegen die Brutalität seiner unmittelbaren Lebensumstände anzuschreiben. Zu Beginn gibt es kaum Berichte oder Beschreibungen aus dem Lager, wenn meisst nur von seinen Gesprächspartnern oder seiner Tätigkeit im Lazarett. Als dann aber im Winter44/45 Typhus, TBC und Hunger aber immer bedrückender werden, erfährt der Leser mehr über die Menge an Toten, die grausamen Verbrechen der SS-Täter. Für Rost wird es Tag für Tag schwerer bei seinem Vorsatz über Literatur zu schreiben, mehrmals ist er dem Tode nahe, überlebt aber die Befreiug Ende Juli des Lagers durch die Amerikaner.
Ich selbst wohne sowohl in Dachau, als ich auch als Betreuer für Besucher in der KZ-Gedenkstätte tätig bin. Für mich war das Buch also in vielerlei Hinsicht sehr spannend und bewegend. Ich glaube dennoch das es einige Leser gibt die sich etwas schwerer tun würden, dieses Buch für sich "zu entdecken". Die literarischen Diskussionen sind zwar oft "zeitlos" aber dennoch auch oft "zeitgenössisch", sprich Autoren und Wissenschaftler der zeit werden mitunter auch lebhaft und detailiert diskutiert. Viele der besprochenen Personen dürften heute nur Spezialisten bekannt sein. Dennoch ist es ein wichtiges Zeitdokument und sicherlich auch vom psychologischen Standpunkt bewundernswert wie Rost sich unter diesen Umständen behauptet.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. September 2004
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