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| Was geschah mit Schillers Schädel? Alles, was Sie über Literatur nicht wissen (Gebundene Ausgabe) von Rainer Schmitz
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Die allzumenschliche Seite der Literatur
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Nicht selten ist die Person eines Schriftstellers interessanter ist als sein Werk. Die Romane Hemingways, Mischimas und Jean Genets las ich nur, weil mich die Biographie ihrer Autoren neugierig gemacht hatte. Der Satz wäre noch treffender, würde nicht so vieles von dem, was über die allzumenschlichen Anwandlungen der Poeten überliefert ist, unter Bergen von Sekundärliteratur begraben liegen. Bis jetzt, könnte man hinzufügen. Denn Rainer Schmitz hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese verborgenen Schätze zu heben. Fünfundzwanzig Jahre lang hat der Focus-Redakteur gesucht, notiert und zusammengetragen, bevor er das Ergebnis auf 914 zweispaltigen Seiten der Öffentlichkeit vorlegte. > >Alphabetisch angeordnet, verteilt sich das gewaltige Material auf 1200 handliche Einträge. Wem das nicht übersichtlich genug ist oder wer gezielt nach Informationen über einen bestimmten Schriftsteller sucht, der hat auch die Möglichkeit, sich des umfassenden Namensregisters zu bedienen. So kann die Arbeit ebensogut als biographisches Nachschlagewerk wie als Lesebuch dienen. Nach Belieben aufgeschlagen ist sie häufig verblüffend, manchmal komisch, zuweilen schockierend und immer unterhaltsam. > >Jeder weiß, daß das Harry Potter-Manuskript von manchen Verlagen abgelehnt wurde. Aber wem ist schon bekannt, daß es Proust mit dem ersten Band seiner "Suche nach der verlorenen Zeit" nicht anders erging und einer der verantwortlichen Lektoren Andre Gide war, der sich später über diesen Fehler schwarz ärgerte? >Jeder weiß, daß Politiker ihre Bücher in der Regel nicht selbst schreiben. Aber wem ist schon bekannt, daß auch ein literarischer Fürst wie Alexandre Dumas seine Werke von Hilfsautoren (zeitweise bis zu 74) ausarbeiten ließ, denen er nur grobe inhaltliche Vorgaben machte? Sogar sein berühmtester Roman, "Die drei Musketiere" kam auf diese Weise zustande. >Diese und hunderte vergleichbarer Geschichten lassen sich nun bequem bei Schmitz nachlesen. > >Natürlich kann ein solches Projekt nie vollständig sein. Bei aller Gründlichkeit wird man doch hier und da ein Stichwort vermissen. Zum Thema "Krieg" etwa findet sich kein Eintrag. Nur der fiktive "Krieg der Welten" ist Schmitz eine Spalte wert, ganz so als hielte er es für unerheblich, wie reale Kriege im Laufe der Geschichte von Schriftstellern erlebt und beurteilt wurden. Dabei wäre es für machen Leser wohl nicht uninteressant gewesen zu erfahren, daß z. B. Äschylos auf seine Teilnahme an den Schlachten bei Marathon und Salamis stolzer war als auf alle Tragödien, die er geschrieben hatte. > >Indessen mindern diese Bemerkungen nicht den Wert des Buches. Allein die Idee dazu ist schon fünf Sterne wert. Schwächen in der Ausführung - angesichts menschlicher Grenzen ohnehin unvermeidbar - fallen da kaum ins Gewicht. Ein Werk wie dieses schreit förmlich nach regelmäßigen, erweiterten Neuauflagen. Unschwer kann man sich vorstellen, wie Generationen von Autoren und selbst Autorenkollektiven damit beschäftigt sein könnten, das hier Begonnene zu einem regalfüllenden Å’uvre auszuweiten. Der Anfang ist gemacht. >
Eine Rezension von Valer Ambrus Deutschland
vom 12. November 2006
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