1.1.2. Herzogtum Warschau
Viele Polen gingen nach den Teilungen ins Ausland. Eines der
Zentren der Ausgewanderten wurde Paris.
Zu jener Zeit strebte der junge Napoleon Bonaparte nach
glorreichen militärischen Siegen.
Als er gegen Österreich 8000 Polen, die auf der Seite
der Österreicher kämpfen mußten, gefangennahm, entstand die
Idee, daß jene zu einer Legion zusammengefaßt und unter der von
Frankreich abhängigen Lombardei für Napoleon kämpfen konnten. So
entstanden die polnischen Legionen, die zunehmend Nachschub bekamen aus der
besetzten Heimat.
Sie waren beseelt von brennendem Patriotismus und gewillt
für Napoleon ihr Leben zulassen. Sie kämpften erfolgreich in Spanien
und sogar in Übersee. Viele von ihnen starben für Napoleon auf dem
Schlachtfeld. Mit Bonaparte verbanden sie die Hoffnung auf Befreiung ihres
Landes. Es war klar, daß Napoleon gegen Preußen, Rußland und
Österreich ziehen würde und so konnte ein freies Polen entstehen. Die
Legionen glaubten fest an den guten Willen Napoleons sich für die polnische
Sache einzusetzen und ebenso an sein militärisches
Geschick. [4]
Napoleon seinerseits äußerte sich
diesbezüglich recht unkonkret:
„ .. ich gönne es, wenn die
Polen sich wert zeigen eine Nation zu
sein.“[5]
Als 1806 Napoleon in Berlin stand und Preußen in einem
Blitzkrieg einnahm, fühlten sich viele Polen, als seien sie schon befreit.
Mit ihrer Hilfe konnte Bonaparte Preußen „von Innen„ besiegen,
denn sie, die Polen in den besetzten Gebieten organisierten Aufstände und
lieferten der französischen Armee Lebensmittel etc. für den weiteren
Kampf gegen Preußen und später gegen Rußland.
Napoleon war klar, daß er besonders mit dem polnischen
Adel, der immer noch den größten Einfluß hatte, gute
Beziehungen pflegen sollte. Der Umstand, daß er eine Romanze mit der
polnischen Schönheit Maria Walewska hatte, trug natürlich dazu
bei.
1807 entstand durch den Friedensvertrag mit Alexander dem
Ersten das Herzogtum Warschau, unter der Flagge Frankreichs. Das Herzogtum
bestand aus den Gebieten, die den Preußen genommen wurden. Es hatte gerade
mal 16 % der Fläche des Landes vor den Teilungen.
Als die Polen vom Ausgang des Friedensvertrages erfuhren
waren sie sehr enttäuscht, denn sie erhofften sich weitaus mehr und vor
allem eine rechtliche Annullierung der Teilungen. Hinzu kam, daß in dem
Polen betreffenden Vertragsteil, Polen als Nation und Land nicht mal namentlich
erwähnt wurde. Polens neues Staatsoberhaupt wurde der Sachsenkönig
Friedrich August.
So sehr enttäuschend die Haltung Napoleons auch war,
gab es für die Polen auch einige Vorteile. Beispielsweise wurde der Code
civil, eine Errungenschaft der Französischen Revolution auf dem Gebiet
der Gleichheit und Gerechtigkeit, eingeführt. Viele Ideen der
Aufklärung flossen von Frankreich nach Polen ein.
Der Bereich der Künste und der Bildung konnte sich im
Herzogtum Warschau dagegen ganz frei entfalten. Es wurden viele neue Schulen
gebaut und der polnische Patriotismus konnte unzensiert in die schönen
Künste einfließen.
Letztendlich war es ein wichtiger Schritt auf dem Wege
Polens für die eigene Identität und den ungebrochen Stolz auf die
Landessöhne, deren Namen den Arc de Triumph
zieren. [6]
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