2.5. Die Folgen des Aufstandes
Viele der enttäuschten Revolutionäre gingen in die
Emigration. Eines ihrer Domizile wurde das „ Hotel Lambert“ in
Paris. Es war in Besitz des Grafen Czartoryski. Hier verkehrten Mickiewicz und
Chopin. Sie ließen das Polentum außerhalb der Heimat
hochleben.
Im Land griffen die Russen dagegen zur brutalen
Rache.
Paskewitsch erhielt den Titel des Warschauer Fürsten.
Er regierte in Warschau noch 25 Jahre. Unter seiner Herrschaft wurde die Charta
aufgehoben und das Land tyrannisiert.
Es wurde den Polen auferlegt für die Kosten der
Besatzungsmacht im eigenen Land aufzukommen, nachdem die polnische Armee
aufgelöst wurde. Die Polen wurden verpflichtet 200 000 junge Männer
innerhalb von 20 Jahren zu rekrutieren, für die russische
Armee.
Als Folge von Gerichtsverfahren gegen die
Aufständischen wurden 3000 Landgüter beschlagnahmt und 50 000 Familien
verschleppt in die Weiten Sibiriens.
Weitere Schmach bereitete Nikolaus den Polen durch den Bau
einer Zitadelle im Zentrum Warschaus, um seinen Mißmut über den
Katholizismus zu äußern. Er war sich im klaren, daß er damit
die tief römisch-katholischen Polen erniedrigt, obwohl er bereits
katholische Klöster hat schließen lassen.
Nikolaus ließ auch wichtige polnische
Universitäten in Warschau und Wilna schließen. Die Polen sollten
keine Orte der eigenen Kultur und eigener Identität mehr
haben.
Im Verlaufe der nächsten 40 Jahre wurde sogar der Rubel
zur polnischer Währung.
Polen wurde nach dem Aufstand 1830/31 zum Teil
Rußlands. [18]
3. Aufstand 1863/64
3.1 Versöhnungspolitik
1856 starb Nikolaus, sein Nachfolger Alexander der Zweite
lockerte die Diktatur in Polen, ähnlich wie in Rußland selbst. Er
sah die Notwendigkeit vieles zu ändern, aber lediglich aus Selbstschutz, um
seine Macht nicht durch eine Revolution zu verlieren.
Er betonte, daß es unter seiner Herrschaft zu keinen
Hoffnungen auf Unabhängigkeit in Polen kommen soll. Die Linderung der
Umstände wurde durch die Gründung der Akademie der Medizin in Warschau
und die Belebung der Presse
offensichtlich. [19]
Als neuer Stadthalter wurde der Bruder Alexanders
Großfürst Konstantin eingesetzt. Er war ein bekennder
Befürworter liberalen Gedankengutes.
Der höchste Beamte, somit das Exekutivorgan wurde 1862
Wielkopolski.
Gleich zu seinem Amtseintritt erklärte er drei
Verordnungen:
- Bauern und Gutsbesitzer sollten Zinsen an die Regierung
entrichten. Der Zinns sollte niedriger berechnet werden als die Summe zum
„Freikauf“, wie in
Rußland.
Diese Bestimmung änderte
so gut wie nichts an der Situation der Bauern und schob eine wirkliche Regelung
nur in die Zukunft.
- Die Juden wurden Befreit von jeglichen Beschränkungen,
deren sie bis jetzt ausgeliefert wurden. Sie konnten ihren Wohnort frei
wählen und brauchten keine Extra Steuern zu zahlen.
- Im Bereich des öffentlichen Lebens wurden die Reformen
des Jahres 1831 widerrufen und es wurden Schulen und Universitäten
gegründet
.[20]
|