3.2 der Verlauf des Aufstandes
Die Politik Wielkopolskis , somit auch Alexanders
führte zu einer Modernisierung der Abhängigkeit. Es war aber schon zu
spät und Polen war bereits wieder im Vorbereitungsstadium eines neuen
Aufstandes.
Diesmal unterschieden sich die größeren
Strömungen auf der polnischen Seite nach ihrer Haltung bezüglich der
Bauern. Die „Roten“ befürworteten eine Bauerbefreiung und
drängten zu einem schnellen Beginn einer Revolution. Viele von ihnen waren
„hitzige“ Studenten, die mit russischen Jungrevolutionären
zusammenstudiert haben. Sie waren voller sozialistischer Ideen und von einem
pathetischen Patriotismus.
Auf der Anderen Seite standen die
„Weißen“, die koservativ-liberalen, meistens begüterten
Adligen, die einer überhasteten Revolution mit Skepsis
gegenüberstanden. Insbesondere war ihnen die Vorstellung einer
Bauernbefreiung unbequem, da sie ja vordergründig von der Leibeigenschaft
profitierten.
Wielkopolski war der brodelnde Zustand der Nation bereits
aufgefallen und er fand eine besondere Taktik zur Vorbeugung eines Aufstandes.
Er rekrutierte die politisch Verdächtigen in die Russische Armee. Die erste
gezielte Aktion dieser Art fand am 14/15 Januar 1863 statt, vielen der jungen
Aufständischen gelang aber die Flucht in die Wälder. So sammelten sich
ganze Gruppen von kampfbereiten Männern um die
Ortschaften.
Bevor es am 25 Januar zu einer weiteren Rekrutierung kommen
konnte, brach am 22 Januar 1863 der Generalaufstand aus. Die
Übergangsregierung enthob die Bauern jeglicher Zinsen und Frondienste, gab
ihnen Land und versprach Landlosen Land aus den volkseigenen Ländereien,
wenn sie bereit sind zu kämpfen.
In der Januarnacht hatten die 6000 Bewaffneten 33
Kämpfe mit zaristischen Streitkräften geführt.
Der Aufstand war sehr schlecht organisiert und von Anfang an
ohne Aussicht auf militärischen Erfolg. Die Truppen des Zaren waren sehr
stark, die polnischen Einheiten waren ihrerseits nur Partisanen, die aus dem
Hinterhalt, überraschend zuschlugen in kleinen Einheiten. Hinzu kamen
vereinzelte Dörfer, die gegen ihre Gutsherren
rebellierten.
Aber letztendlich wurden im Verlauf des Aufstandes 1200
Kämpfe ausgefochten. Es konnten 200000 Menschen mobilisiert werden, ihnen
gegenüber standen 340000 sehr gut bewaffnete russische
Soldaten.
Meinungsverschiedenheiten zwischen den „
Weißen“ und „ Roten“ machten sich in der
Unbeständigkeit der Übergangsregierung deutlich. Ihre Führung
wechselte ständig und konnte den Aufstand nicht kontinuierlich
leiten.
Die Hingabe Polens an ihre Heimat fand überall in
Europa Beachtung und Sympathie, sogar Karl Marx sprach mit Respekt über die
kämpferischen Polen.
Rußland wußte, daß es vorsichtig mit der
Niederschlagung der Revolte umgehen sollte. Vorallem gab es viele Sympathisanten
der „ polnischen Sache“ auch im Inland. Auch das Ausland sollte
durch Brutalität nicht schockiert werden. Es wurde lediglich ein Pakt zur
Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Revolte mit Preußen
beschlossen.
Der Aufstand zeigte im Herbst 1863 deutliche
Erschöpfungszustände. Die Oberhäupter der
Übergangsregierungen machten sich zur Tyrannen und beuteten ihre Untertaten
aus. Die Einheiten zeigten sich erschöpft. Es kam noch zu weiteren Wechseln
an der Spitze des Regierungskommites, aber das Land war
ausgezehrt.
Am 2 März 1864 versetzte Alexander Polen den
endgültigen Stoß durch ein taktisch wohlüberlegten
Beschluß. Er übergab den Bauern , das von ihnen bewirtschaftete Land
und gab den Landlosen Ländereien aus den Volksgütern. Somit hatten die
Bauern aufgehört zu Kämpfen. Den „ Roten“ fehlte jetzt das
entscheidene Argument. Und der Aufstand ist
erloschen [21]
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